Bücherspiegel

Tram 83 ©ZSOLNAT

Fiston Mwanza Mujila
Tram 83
Übersetzt aus dem Französischen von Katharina Meyer, Lena Müller.
Die Originalausgabe erschien 2014 unter dem Titel „Tram 83“ bei Éd. Métaillié, Paris.
Gebunden, 208 Seiten, Paul Zsolnay Verlag, Wien 2016.
ISBN 978-3-552-05797-5
Deutschland, 20, 60 EUR; Österreich 20,00 EUR

Eine afrikanische Großstadt, ein legendärer Club: "Tram 83". Fiston Mwanza Mujilas Debütroman "zieht Ihnen den Boden unter den Füßen weg!" Rolling Stone. Afrika als Sinnbild für einen pulsierenden Nachtclub in einer heruntergekommen Großstadt, von Kriegen, Korruption und Globalisierung gezeichnet.
Wer in diese Großstadt und Bar kommt, hat ein Ziel: Geld zu machen, egal wie. Das „Tram 83“ ist der einzige Nachtclub der Stadt, ihr pulsierendes Zentrum. Gewinner und Verlierer, Profiteure und Prostituierte, Ex-Kindersoldaten und Studenten, sie alle treffen im Tram 83 aufeinander, um sich zu vergessen. Dort treffen sich auch zwei ungleiche Freunde wieder: Der Schriftsteller Lucien findet auf der Flucht vor Zensur und Erpressung Schutz bei Requiem, der sich durch das Leben gaunert. Rhythmisch und schonungslos erzählt Mwanza Mujila ihre Geschichte, mit einem „Drive, der an die Musik von John Coltrane erinnert“.


 

Brick 16 ©Callwey, München

Award-winning International Brick Architecture
Ausgezeichnete Ziegelarchitektur International
Hg. Wienerberger AG
Englisch/Deutsch, 256 Seiten, zahlreiche Abbildungen
Callwey, München, 2016, EUR 49, 56
ISBN 978-3-7667-2213-3

Mit Ziegel gebaute Gebäude sind langlebig. Jedes Land arbeitet anders mit diesem Baustoff, der großes handwerkliches Geschick erfordert und äußerst vielseitig einsetzbar ist. Der Ziegel verfügt über hohe ästhetische Qualitäten und gewinnt mit den Jahren, auch an Patina. Werden Ziegel handgefertigt, erzählt jeder Stein seine eigene Geschichte. Der diesjährige Internationale Wienerberger Brick Award wurde bereits zum siebenten Mal ausgelobt und die Preisträger im Mai gekürt. 600 Bauwerke aus 55 Ländern wurden eingereicht und die besten 50 Projekte unter dem besonderen Augenmerk auf materialbewusste und zukunftsfähige Architektur in den bereits etablierten Kategorien Wohnbau, Re-Use, urbane Verdichtung, öffentliche Nutzung und Special Solution nominiert. Besonders bemerkenswert sind folgende Projekte in der Kategorie Wohnbau {Tropical Space Architects, Ho Chi Minh City, Zentralvietnam: Termitary House, wie ein Termitenhügel mit hoher Ökonomie der Räume (80 qm) organisiert; CAAT Studio, Teheran: Kahrizak Residential; Dendooven + De Cock + Van Gelder, Belgien: Künstlerhaus mit gebrauchten Ziegeln, Gent}, Re-Use (Hertl Architekten, Steyr, Gartenhaus, eine „artverwandte Collage der Jahrhunderte aus Flusssteinen, Ziegeln und Beton“; Rafael de la-Hoz, Madrid: Daoíz y Velarde Cultural Centre; Chris Dyson Architects, London House in Wapping), urbane Verdichtung (Harquitectes, House 1014, Barcelona; Antonini Darmon Architectes, Paris: sozialer Wohnbau Belleville; kleyer.koblitz.letzel.freivogel.architekten, Berlin: Kita Kinderland, Wittstock/Dosse) und öffentliche Nutzung (Dehullu Architecten: Auditorium AZ Groeninge, Belgien; Studio Rizzi, Venedig Marghera: Shakespeare Theater Gdansk; Onion Architects, Bangkok: Sala Ayutthaya, deren „Textur der Wände wirkt, als hätte man Ziegel verwebt“). Die Preisträger einschließlich der Kategorie Special Solution werden Sie überraschen! Einzig irritierend bei der Lektüre des inspirierenden Buches ist, dass nur die fünf Essays mit Autoren ausgewiesen sind. Nicht jeder handgefertigte Ziegel kann schön, gelungen und kräftig leuchtend rot sein. Aber jeder einzelne erzählt seine eigene Geschichte.

Doris Lippitsch


 

International Space Station ©Jean-Michel Dentand

International Space Station
Architecture Beyond Earth
David Nixon
Design by Jean-Michel Dentand
416 Seiten, Hardcover, 235x235mm, 310 Abbildungen
Englisch, CIRCA Press, London, 2016, £65,00
ISBN 978-0-9930721-3-0

Manchmal ist es für mich noch immer schwer zu glauben, dass die Menschheit es tatsächlich geschafft hat, gemeinsam eine permanent bewohnte Raumstation zu bauen, die seit Ende 2000 die Erde in einer Höhe von etwa 400 Kilometern umkreist und auch heute in Betrieb ist.
Es ist eine der kostspieligsten, aber auch technisch schwierigsten Herausforderungen, ein solches Forschungslabor zu konzipieren, im Weltraum zu bauen, zu betreiben und deshalb überrascht es, dass erst jetzt ein umfassendes Buch dazu vorliegt.
Autor David Nixon ist einer der Begründer der Weltraumarchitektur und bringt dem Leser durch seine langjährige Erfahrung die Anforderungen an die Technik und die Qualität der Räume näher. Das Buch ist chronologisch aufgebaut und zeichnet damit alle wichtigen Phasen der Entwicklung und Entstehung nach: Die ersten Überlegungen begannen unmittelbar nach den Mondflügen, als man plante, die Endstufe der gewaltigen Apollorakete als Labor auszustatten und in die Erdumlaufbahn zu bringen. Die wichtigen Entwicklungsschritte bauen wie eine Kette aufeinander auf: das Spacelab, die MIR, aber auch die Konzeption, Inbetriebnahme sowie das katastrophale Ende des Spaceshuttle-Programms. Speziell für das Buch angefertigte Grafiken geben dem Leser einen Überblick über alle angedachten Entwicklungsvarianten der Raumstation bis hin zum aktuellen Layout. Mit dem Blick des Architekten widmet sich David Nixon auch immer dem Alltag der Astronauten und lässt diese ausführlich zu Wort kommen.
Ebenso spannend ist auch der politische Aspekt, der den Spagat zwischen den großzügig gewünschten Anforderungen und dem knappen Budget nachzuzeichnen vermag, mit dem sich die NASA konfrontiert sah und den Weg wie aus einem US-amerikanischem Vorhaben eines wurde, an dem sich zahlreiche Nationen und Völker beteiligen.
Dabei gelingt es dem Autor durchgehend, eine technisch präzise, aber gut verständliche Sprache zu finden und die ausführlich beschriebenen Fotos bieten Faszination pur. Das Buch ist schlicht ein Muss für alle, die sich für Raumfahrt interessieren!

David Pašek