Wiener Schule

Staatsoper Wien. Der Wiener Schule wird ein Denkmal gesetzt. Vor der Wiener Staatsoper errichtet die Alban-Berg-Stiftung eine Skulptur für die Komponisten Alban Berg, Arnold Schönberg, Anton Webern und den Komponisten und Hofoperndirektor Gustav Mahler. Der Entwurf von Wolf D. Prix wurde von Bundesminister Josef Ostermayer vorgestellt.

Von Doris Lippitsch

Die Wiener Schule rüttelte gewaltig am Harmoniegebäude. Gerne wird Alban Berg mit Oscar Wilde verglichen, und als romantischer Dandy und Grandseigneur beschrieben, der „den größenwahnsinnigen Eindruck“ hatte, „dass Wozzeck etwas ganz Großes ist“, wie er seiner Frau vor der Uraufführung schrieb. Der laute Beifall in der Berliner Staatsoper 1925 irritierte ihn zunächst. Hatte man ihn auch verstanden? Berg brauchte eine neue Musiksprache für das, was er zu erzählen hatte: Georg Büchners Drama des ausgelieferten Soldaten Woyzeck entsprach genau jener Figur, die es vermochte, die verheerenden Auswirkungen des Krieges darzustellen. Mit Wozzeck emanzipierte sich Berg von seinem strengen Lehrer Arnold Schönberg. Heute zählt das Werk zu den Höhepunkten des Musiktheaters und zum festen Repertoire der großen Opernhäuser.

Schönberg war der Schöpfer der Zwölftonmusik, er machte die Demokratie zur Methode. Jeder der zwölf Töne einer Oktave ist fortan gleichberechtigt, und die Tonleiter wird durch eine Reihe von zwölf Tönen in frei wählbarer Tonfolge ersetzt, die zugleich das Kernmotiv ist. Mitunter wurde Zwölftonmusik als Dodekaphonie bespöttelt, und zäh die Meinung vertreten, sie missbrauche das natürliche Hörempfinden und sei nichts weiter als ein verkopftes Grundübel einer Avantgarde. Zu keinem Zeitpunkt aber setzte die Wiener Schule Zwölftonmusik dogmatisch ein. Die Grundspannung zwischen Tonika und Dominante war ein großes Experimentierfeld. In der Lyrischen Suite komponierte Berg zwölftönig wie ungebunden, und bekannte sich damit zu seinen Gefühlen für die Schwester des Schriftstellers Franz Werfel, wiewohl glücklich verheiratet. Im verzweifelten Finale führt er die vier Streichinstrumente zum berühmtesten Liebesakkord der Musikgeschichte, zu Wagners Tristanakkord.

Berg, Schönberg, Webern und Mahler arbeiteten atonal, was nicht schräg heißt, sondern vielmehr zwanglos. Gustav Mahler war als Hofoperndirektor eine prägende Figur der Jahrhundertwende und schuf die Basis für eine neue Musik: die Wiener Schule. Anton Weberns atonales Verfahren in hochkonzentrierter Form und aphoristischer Kürze wurde später von Pierre Boulez und Karlheinz Stockhausen zu serieller Musik ausgearbeitet.

Wolf D. Prix wurde in seinem Entwurf für das Alban-Berg-Denkmal durch das Dreigestirn der Zwölftonmethode inspiriert und überlagerte drei Motive auf einem einen Meter hohen Sockel, aus formalen und rechtlichen Gründen, versteht sich. Das Ensemble ist schräg, zart und elegant zugleich. Die Hommage an die Wiener Schule wird mit geschliffener, metallener Oberfläche ab Frühjahr 2016 vor der Wiener Staatsoper schimmern.

Wiener Schule Prix ©QuerWiener Schule ©QUER

Bildtext: Entwurfsskizzen der Alban-Berg-Skulptur von Wolf D. Prix – Alban Berg hatte in seinem Kammerkonzert (1925) ein Motiv geschaffen, das Schönberg, Webern und ihn selbst namentlich in Musik übersetzte und so der Zwölftonmusik vorab ein „kleines Denkmal“ gesetzt. Auch wurde die Zahl Drei oder ihr Vielfaches in das Stück „hineingeheimnißt“, wie Berg seinem Lehrer Schönberg in einem Brief anvertraute.

Bildtext: Die Alban-Berg-Stiftung realisiert das Ensemble am Herbert-van-Karajan-Platz vor der Wiener Staatsoper, um die Wiener Schule im öffentlichen Raum sichtbar zu machen und “Innovation ins neue Jahrhundert zu tragen“.

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Entwurfsskizzen von Wolf D. Prix für Alban-Berg-Skulptur in Wien – Alban Berg hatte in seinem Kammerkonzert (1925) ein Motiv geschaffen, das Schönberg, Webern und ihn selbst namentlich in Musik übersetzte und so der Zwölftonmusik vorab ein „kleines Denkmal“ gesetzt. Auch wurde die Zahl Drei oder ihr Vielfaches in das Stück „hineingeheimnißt“, wie Berg seinem Lehrer Schönberg in einem Brief anvertraute.

Die Alban-Berg-Stiftung realisiert das Ensemble am Herbert-van-Karajan-Platz vor der Wiener Staatsoper um die Wiener Schule im öffentlichen Raum sichtbar zu machen und „Innovation ins neue Jahrhundert zu tragen“.