Faltmotive für Textilmacher

Der BDA Architekturpreis „max40 – Junge Architekten 2016“ wurde dem jungen Münchner Architekten Kurt Tillich verliehen. Ausgezeichnet wurde er für ein Produktions- und Bürogebäude der Textilmacher GmbH in München. Es ist Tillichs erstes größeres Projekt. Insbesondere die Fassade dieses kompakten Bauses spiegelt das Thema der Materialität wider. Ihre plastische und wie gefaltet wirkende Oberfläche liest sich wie eine von vielen möglichen Ausdrucksformen von Stoffen. Selbst die mit Bedacht gesetzten Fugen erinnern an Nähte. Özlem Özdemir im Gespräch mit Kurt Tillich über die Hintergründe zu dieser ausdrucksvollen Hülle.

Herr Tillich, zunächst einmal zu Ihrer Person: Was können Sie uns über Ihren Werdegang sagen? Was hat Sie geprägt und inspiriert?

Kurt Tillich: Ich glaube, dass einen bereits die Erfahrungen aus dem Grundstudium prägen können. Bei dem Schweizer Professor, den wir an der TU München in den ersten vier Semestern hatten, waren zum Beispiel der Entwurf und die Herangehensweise mit Funktionsschema und Raumprogramm zunächst mindestens genauso wichtig wie Themen der Konstruktion. Später kam mein Studium an der ETSAM in Madrid dazu. Dort hatte ich im Gegensatz zu der Lehre an der TU München größere Freiheiten.

Sie haben sich schon recht früh in die Selbstständigkeit gewagt. Wie ist das Büro Tillicharchitektur entstanden?

Zusammen mit der Realisierung eines Clubs in München noch während des Studiums war dann danach die Wahl eines mittelgroßen Büros sicher eine glückliche Entscheidung. Dort konnte man alle Leistungsphasen abdecken und wenn man mochte, konnte man zu einem frühen Zeitpunkt viel Verantwortung übernehmen. Eine gewisse Spezialisierung auf Fassaden hat bereits dort stattgefunden. Ich arbeitete beispielsweise an der Fassade einer Sparkasse und eines Büroturms in Freiburg sowie an einem Museum in Ulm. Das Büro Tillicharchitektur gibt es seit 2011 mit Beginn des Textilmacher-Projekts.

Tillicharchitektur: Produktions- und Bürogebäude Die Textilmacher, München 02 © Courtesy of Tillicharchitektur. Foto © Michael Compensis, München (www.we-shoot-it.com)

Tillicharchitektur: Westansicht Produktions- und Bürogebäude Die Textilmacher, München © Courtesy of Tillicharchitektur. Foto © Michael Compensis, München (www.we-shoot-it.com)

Westansicht Produktions- und Bürogebäude Die Textilmacher, München. Courtesy of Tillicharchitektur. Foto © Michael Compensis, München (www.we-shoot-it.com)

 

Im März 2016 wurde Ihr Entwurf für den neuen Firmensitz „Textilmacher“ mit dem BDA-Architekturpreis ‚max40 – Junge Architekten 2016‘ ausgezeichnet. Somit wurde gleich Ihr erstes realisiertes Gebäude ausgezeichnet. Was für ein Gefühl war das?

Natürlich ist es phantastisch, wenn die eigene Arbeit so honoriert wird. Und wenn sich daraus auch noch eine Werbewirkung ergibt, wäre das natürlich toll. Als junges Büro ist man darauf ja durchaus angewiesen.

Man sagt, dass Aufträge über Architekturwettbewerbe – besonders für die junge Generation – praktisch illusorisch sind und die Konkurrenz durch etablierte Büros zu groß ist. Wie erleben Sie persönlich die Ausgangslage für junge Architekten hierzulande?

Tatsächlich haben wir bei offenen Wettbewerben bislang gar nicht erst teilgenommen, da der Aufwand und die Wahrscheinlichkeit eines Erfolgs in keinem gesunden Verhältnis stehen. Selbst bei beschränkten Wettbewerben ist es für ein junges Büro mit wenigen realisierten Arbeiten schwierig, die Kriterien für den Los-Topf zu erfüllen und dann auch noch für die Endrunde gezogen zu werden. Die Hürden scheinen in vielen anderen Ländern niedriger zu sein als hier.

Tillicharchitektur: Produktions- und Bürogebäude Die Textilmacher, München – Detail  mit Fugen © Courtesy of Tillicharchitektur. Foto © Michael Compensis, München (www.we-shoot-it.com)

Produktions- und Bürogebäude Die Textilmacher, München (Detail mit Fugen). Courtesy of Tillicharchitektur. Foto © Michael Compensis, München (www.we-shoot-it.com)

Tillicharchitektur: Produktions- und Bürogebäude Die Textilmacher, München © Courtesy of Tillicharchitektur. Foto © Michael Compensis, München (www.we-shoot-it.com)

Produktions- und Bürogebäude Die Textilmacher, München. Courtesy of Tillicharchitektur. Foto © Michael Compensis, München (www.we-shoot-it.com)
 

Zunächst zum Gesamtentwurf für „Textilmacher“ – Was war das Besondere an dieser Bauaufgabe?

Das Besondere an der Aufgabe war der Bauherr, der Wert legte auf Qualität und der gewillt war, Standardlösungen zu hinterfragen und unkonventionelle Entscheidungen mitzumachen. Das Raumprogramm in Verbindung mit den Flächen, also Grundstück und GFZ, ließen nur begrenzte Möglichkeiten für ein räumliches Entwerfen zu, d.h. für spannende Raumsituationen, Höhenstaffelungen, Raumübergänge, geschoßübergreifende Räume und Ähnliches. Einen möglichst flexiblen Rahmen für die Produktion der Textilmacher GmbH zu liefern, war ein wichtiger Faktor. Ebenso wie der Wunsch, dem Gebäude nach Außen eine Gestalt zu geben, deren Klarheit und Präzision einen Rückschluss auf die Arbeit der „Textilmacher“ im positiven Sinn erlaubt ...

Lesen Sie das gesamte Gespräch unter: www.fassaden-blog.de

Zur Website von Tillicharchitektur

Zur Autorin: Özlem Özdemir, geb. 1969, hat an der Architekturfakultät der TU Braunschweig ihr Diplom absolviert und anschließend in mehreren Büros {u.a. bei Enric Miralles & Benedetta Tagliabue (EMBT) in Barcelona, Behnisch, Behnisch & Partner in Stuttgart, Şanal Architecture / Urbanism und Arzu Nuhoğlu Landscape Design in Istanbul} gearbeitet. Außerdem ist sie als Autorin für verschiedene Architekturzeitschriften und Onlinemagazine tätig.

Titelbild: Kurt Tillich. Courtesy of Kurt Tillich. Foto © Franziska Hasenknopf