STEINE AUS DEM ALL GEFAHR ODER GOLD- GRUBE?

Ana Cristina van Oijhuizen Galhego Rosa

Aus dem Englischen von Maria Pflug-Hofmayr Weltraumgesteine, je nach Art als Asteroiden, Kometen, Meteoroide, Meteore oder Meteorite bezeichnet, kreisen durch unser Sonnensystem. Asteroiden sind inaktive runde Körper aus Gestein, Kohlenstoff oder Metall, größer als Meteoride, aber kleiner als ein Zwergplanet. Kometen hingegen sind manchmal aktiv, ihr Kern aus Schmutz und Eis ist von einer Hülle aus Gas und Staub („Koma“) umgeben. In Sonnennähe stellt der Komet manchmal prächtige Schweife zur Schau. Die Koma kann bis zu 80.000 Kilometer groß werden, ein Schweif manchmal mehrere hundert Millionen Kilometer lang.

Meteoroide, Stücke von Asteroiden oder Kometen, größer als ein Atom, aber kleiner als ein Asteroid, kreisen um die Sonne. Meteore sind Meteoride, die in die Erdatmosphäre eindringen und Leuchtspuren am Himmel zaubern. Ihre Größe reicht vom Sandkorn bis zum Felsbrocken. Und Meteorite, manche sehr klein, andere wiederum riesengroß, bestehend aus Sauerstoff, Eisen, Silizium, Magnesium und anderen Elementen, sind Meteoroide, die den Sturz in die Erdatmosphäre überleben und auf der Erdoberfläche einschlagen.

ASTEROIDENEINSCHLÄGE

Tausende Weltraumgesteinsbrocken, als Near-Earth Objects, kurz NEOs bezeichnet, ziehen täglich an der Erde vorbei. Durch gravitative Störeinflüsse von Planeten wurden sie in Bahnen abgelenkt, die sie nahe an die Erde heranführen. Dem NASA Ames Research Center zufolge schützt uns die Erdatmosphäre vor NEOs, die kleiner als 40 Meter sind. Solche mit einem Durchmesser von bis zu einem Kilometer können an ihrem Einschlagsort großen Schaden anrichten, bei mehr als zwei Kilometer würden Umweltschäden globalen Ausmaßes entstehen. Geologische Indizien sprechen dafür, dass vor 65 Millionen Jahren ein Asteroideneinschlag zum Aussterben der Dinosaurier geführt hat. 1908 wurden etwa 2000 km2 sibirischer Wald durch einen Asteroiden eingeebnet. Wegen dieser Gefahr werden NEOs beobachtet und überwacht. Astronomen warnten vor einer Serie naher Begegnungen mit den Asteroiden 2008 TC3, 2011 AG5, Apophis und 2012 DA14. Der felsgroße Asteroid 2008 TC3 schlug nur Stunden nach seiner Entdeckung im Sudan ein. Der im Januar 2011 entdeckte, 140 Meter große Asteroid 2011 AG5, wird mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:500 am 5. Februar 2040 die Erde treffen. Der Asteroid Apophis mit einem Durchmesser von etwa 325 Metern könnte 2029 oder 2036 einschlagen. Am 15. Februar 2013 alarmierten zwei Vorfälle die Völkergemeinschaft: der sehr nahe Vorbeiflug des Asteroiden 2012 DA13 mit einem geschätzten Durchmesser von 30 Metern und einer Masse von 40.000 Tonnen sowie die Explosion des Meteors von Tscheljabinsk.

FRÜHWARNUNGEN

Im wissenschaftlichen und technischen Subkomitee des Ausschusses der Vereinten Nationen für die friedliche Nutzung des Weltraums (UN COPUOS) empfiehlt daher eine Arbeitsgruppe für erdnahe Objekte, ein internationales Asteroiden-Warnnetzwerk (IAWN) zu gründen, um gefährliche NEOs zu entdecken, ihre Bahnen zu bestimmen und bei einer möglichen Kollision Frühwarnungen zu erteilen.

Weitere Maßnahmen zur besseren Überwachung von NEOs sind nationale Suchprogramme wie das Asteroid Terrestrial-impact Last Alert System (ATLAS) der NASA sowie Space Situational Awareness (SSA) der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Zusätzlich plant die B612 Foundation, eine private gemeinnützige Stiftung mit dem Ziel, die Erde vor Asteroideneinschlägen zu schützen, ein Instrument mit der Bezeichnung Sentinel Space Telescope im All zu stationieren. Sie alle haben das Ziel, Asteroiden mit erdnahen Bahnen aufzuspüren, zu kartieren und im Auge zu behalten.

Kürzlich kündigte die NASA ihre Asteroid Redirect Mission an, die einen kleinen Asteroiden einfangen und in eine hohe Umlaufbahn um den Mond bringen soll, sodass er Anfang der 2020er Jahre von Astronauten besucht werden kann.

Extraterrestrische Rohstoffquellen. Auf der anderen Seite stellen NEOs nicht nur eine Gefahr dar. Sie bieten auch die Möglichkeit für geochemische und astronomische Forschung sowie potenzielle extraterrestrische Rohstoffquellen, die von Menschen abgebaut werden können. Die Teams zweier Privatunternehmen, Planetary Resources und Deep Space Industries, arbeiten an Projekten mit dem Ziel, Anspruch auf Asteroiden zu erheben, die neben Wasser, Sauerstoff, Konstruktionsrohstoffen und Treibstoff für Weltraummissionen auch eine Quelle wertvoller Metalle für die Erde sein können. Ein 25 Meter großer metallischer Asteroid kann 33.000 Tonnen schürfbarer Metalle enthalten, etwa Platin für 50 Millionen Dollar. Der Asteroid 1986 DA, bestehend aus Eisen, Nickel, Gold und Platin, wird auf sechs bis sieben Billionen Dollar geschätzt.

In diesem Zusammenhang sind aber auch rechtliche Aspekte zu klären. Es gibt unter Weltraumjuristen unterschiedliche Meinungen, ob private Firmen das Recht haben, Asteroiden für ihre Zwecke zu nutzen, denn der Weltraumvertrag von 1967, ein von allen raumfahrenden Nationen unterzeichneter und ratifizierter Vertrag der Vereinten Nationen, untersagt es Staaten ausdrücklich, Gebietsansprüche im Weltraum zu erheben und verbietet, dass der Mond und andere Himmels körper wie Asteroiden von einer Nation in Besitz genommen werden können.

Von einer Gefahr zur Goldgrube. Vielleicht wird es zur Realität, dass “erdnahe Objekte eines Tages die Tankstellen und Wasserlöcher für interplanetare Forschung sein werden”, meint Donald Yeomans, Vorsitzender des „Near-Earth Object Program“ der NASA.